{"id":120,"date":"2010-11-18T17:50:32","date_gmt":"2010-11-18T16:50:32","guid":{"rendered":"http:\/\/willy.de\/blog\/?p=120"},"modified":"2012-11-02T00:26:21","modified_gmt":"2012-11-01T23:26:21","slug":"praktische-prufung-ppl-a-2010","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/willy.de\/blog\/praktische-prufung-ppl-a-2010\/","title":{"rendered":"Praktische Pr\u00fcfung PPL-A 2010"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><strong>Praktische Pr\u00fcfung PPL-A nach JAR-FCL am 11.11.10<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Ein kleiner Pr\u00fcfungsbericht mit Ratschl\u00e4gen f\u00fcr die Nachwelt<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><strong>Teil 1:\u00a0\u00a0 Flugplanung und Pr\u00fcfung am Boden<\/strong><\/p>\n<p>Eine der wichtigsten Vorbereitungen, um die Pr\u00fcfung erfolgreich abzulegen, ist die Flugplanung mit Kraftstoff- und Masse-\/Schwerpunktberechnung. Das Handbuch zur Cessna ist in diesem Fall unerl\u00e4sslich. Lest es euch w\u00e4hrend der Ausbildung so oft durch bis ihr die Maschine wirklich kennt, denn der Pr\u00fcfer will viele Punkte wissen. Wenn ihr schon am Boden die Antworten nicht wisst, dann habt ihr es in der Luft schwerer. Ich habe einige fiktive Berechnungen und Flugpl\u00e4ne erstellt, um \u00dcbung zu bekommen. Im Nachhinein bin ich sehr froh dar\u00fcber, da es mir am Pr\u00fcfungstag erheblich leichter fiel, die Planung fehlerfrei und schnell durchzuf\u00fchren. Meinem Pr\u00fcfer war es an diesem Tag sehr wichtig, dass die Berechnung des Kraftstoffs und Masse-\/Schwerpunkts korrekt durchgef\u00fchrt wurde. Holt euch auch das GAFOR Wetter und die Flugsicherungsberatung vom DFS. Mein Pr\u00fcfer hat diese Sachen zwar nur \u00fcberflogen, jedoch war er im Vorfeld schon sehr zufrieden, wie ausf\u00fchrlich und korrekt ich die Informationen eingeholt hatte. Der erste Eindruck, den der Pr\u00fcfer vom Bewerber hat, ist (wie auch so oft in anderen Situationen im Leben) sehr wichtig. Nat\u00fcrlich m\u00fcssen alle anderen Werte im Flugdurchf\u00fchrungsplan stimmen und so genau wie m\u00f6glich geplant sein. Tut euch selbst den Gefallen und rechnet Kurse, H\u00f6hen, Zeiten usw.\u00a0 wirklich anhand von VFR-Karte und Fliegertaschenrechner manuell und nutzt keine Spielchen wie fl95.de oder \u00e4hnliches.<\/p>\n<p>So, nun ist genug mit theoretischen Erz\u00e4hlungen, wir wechseln zum praktischen Ablauf, was sicherlich interessanter sein d\u00fcrfte: Fluglehrer, Pr\u00fcfer und ich sitzen also bei Abramo, mein Pr\u00fcfer beschreibt mir, was er von mir in der Pr\u00fcfung verlangt und was wir in der Luft alles machen werden. Kleine \u00dcberraschungen verr\u00e4t er im Vorfeld nat\u00fcrlich nicht (z.B. wo er die Aussen- \/ Notlande\u00fcbung mit dem Bewerber machen wird). Danach geht\u2019s raus zum Flieger, um den Check vor den Augen des Pr\u00fcfers anhand der KLARLISTE!!! zu machen. Wer nicht wei\u00df, wo die Klarliste ist: Im Handbuch zur Cessna, Seite 4-2 und nennt sich \u201e\u00c4ussere Sichtpr\u00fcfung\u201c. \u00dcbt das mit eurem Lehrer, denn der Pr\u00fcfer stellt echt fiese Fragen und will es sehr genau wissen. Nebenbei bemerkt: Wisst Ihr wo der Brandhahn ist? Und wenn der Pr\u00fcfer fragt, was denn das f\u00fcr l\u00e4ngliche Objekte am Querruder sind, sollte man schon wissen, dass das Gewichte sind, die einen bestimmten Zweck erf\u00fcllen. Wisst ihr noch welchen?<\/p>\n<p>Nun, wenn man diese kritischen Fragen des Pr\u00fcfers geschafft hat, dann geht\u2019s los. Einsteigen, anschnallen!! und T\u00fcren\/Fenster schlie\u00dfen, auch auf der rechten Seite, denn der Passagier (hier Pr\u00fcfer) kann ja mal was vergessen.\u00a0 Geht hier (wie bei allem anderem auch) unbedingt nach Checkliste vor. Einerseits vermeidet ihr unn\u00f6tige Fehler, andererseits gef\u00e4llt es dem Pr\u00fcfer, wenn er sieht, dass der Bewerber nach den geschulten Regeln arbeitet. Wenn man es dann noch schafft, bei kaltem Wetter die Maschine ohne Probleme anzulassen (z.B. sollte man das Primern schon mal ge\u00fcbt haben, danke Adolf), dann bringt man vielleicht durch die Aktionen sogar den Pr\u00fcfer schon am Boden zu einem zufriedenen Schmunzeln.<\/p>\n<p>Meldet euch sch\u00f6n am Turm, wie ihr es gelernt habt, und rollt los. Die Checks am Rollhalt nat\u00fcrlich auch nach Klarliste durchf\u00fchren und dabei nichts vergessen. Kann schon passieren, dass der Pr\u00fcfer fragt, in welche Richtung das Querruder ausschlagen muss, um korrekt zu arbeiten. Durch solche Fragen darf man sich nicht aus dem Konzept bringen lassen, um dann vielleicht vor Aufregung zu vergessen, dass Kompass und H\u00f6henmesser eingestellt werden m\u00fcssen. Nebenbei bemerkt: Ihm waren die Einstellung der Instrumente \u00fcberaus wichtig. \u201eDeswegen musste ich bereits einige Bewerber leider durchfallen lassen.\u201c, wusste er zu berichten.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Teil 2:\u00a0\u00a0 In der Luft<\/strong><\/p>\n<p>Es ist geschafft, wir sind in der Luft. Mein Pr\u00fcfungsflug lt. Telefonat mit dem Pr\u00fcfer war von Bamberg zum Hetzleser Berg und als Ausweichflugplatz Burg Feuerstein. Nat\u00fcrlich habe ich in der Flugvorbereitung alle Kurse, Wind, Luvwinkel usw. sch\u00f6n berechnet und meine Kurse entsprechend eingetragen. Bei 35 Knoten Wind in 3000ft H\u00f6he ist die Abdrift nicht zu untersch\u00e4tzen. Ich frage den Pr\u00fcfer sicherheitshalber, ob ich denn nun wie besprochen zum Hetzleser Berg fliegen soll, was er best\u00e4tigt. Meine Lehrer hatten mir beigebracht, dass man dem Pr\u00fcfer immer erz\u00e4hlen sollte, wieso man etwas gerade macht. Dieser Ratschlag ist Gold wert, denn der Pr\u00fcfer will schon wissen, ob ihr einen Plan hinter euren Aktionen habt oder einfach nur planlos im All seid. Ich erz\u00e4hle dem Pr\u00fcfer, dass ich jetzt erst mal der Platzrunde im Steigflug in gr\u00f6\u00dferer H\u00f6he folge, den Platz bei Erreichen meiner geplanten Reiseh\u00f6he \u00fcberfliegen werde, um dann auf meinen geplanten Kurs zu gehen. Dem Pr\u00fcfer gef\u00e4llt der Ablauf \u201eMachen Sie nur\u201c. Dieser Spruch wird noch oft fallen.<\/p>\n<p>Mein Pr\u00fcfer fragt mich dann, welchen Kurs ich denn fliegen m\u00f6chte und aus welcher Richtung der Wind kommt. Ich lese die Werte ab und erz\u00e4hle es ihm. Der starke Seitenwind verwundert ihn, er meint noch, dass wir den Platz doch sicherlich auch rein mit terrestrischer Navigation finden werden und schaltet das VOR ab. \u201eGPS ist sowieso Luxus,\u201c meint der Pr\u00fcfer, \u201calso auch aus.\u201c Schade irgendwie, denke ich mir. Ich habe doch so sch\u00f6n meine Radiale zur Hilfe notiert. Also gut, dann eben ohne Hilfsmittel. Sch\u00f6n w\u00e4re es noch, wenn der Wind gleichm\u00e4\u00dfig und wie berechnet aus 220 Grad mit 35 Knoten wehen w\u00fcrde, dann k\u00f6nnte ich einfach nach Plan fliegen. Aber wie so oft, macht das Wetter was es will und der Wind weht mal st\u00e4rker, mal schw\u00e4cher. Also ist meine Kurs- und Zeitplanung nur noch als grobe Grundlage zu gebrauchen, da die Zeiten zwischen den Legs teilweise enorm von den Berechneten abweichen. Also eigentlich ist die Zeitplanung f\u00fcr die Tonne. Wir navigieren nur auf Sicht. Dem Pr\u00fcfer gef\u00e4llt es sichtlich, dass der Bewerber ohne Aufregung und Hektik die Navigationsarten \u00e4ndert, um sich in der Luft zurecht zu finden. \u201eDas wird Ihnen in der Luft noch \u00f6fters passieren, denn das Wetter h\u00e4lt sich selten an Flugpl\u00e4ne\u201c, meint er wissend. W\u00e4hrend ich so vor mich hinfliege und versuche, mich anhand von Karte und Sicht nach aussen nicht zu verfliegen, verwickelt mich der Pr\u00fcfer in ein Gespr\u00e4ch, um mich etwas abzulenken. Das kennt man ja von den Lehrern (danke Thomas und Michael), machen sie ja auch sehr gerne. Ich fliege Kurs Richtung Ostrand von Forchheim und entdecke das VOR Erlangen, aber viel zu weit links, hmmm, schon wieder die Abdrift und der starke Wind. Na jetzt kann trotzdem nichts mehr schiefgehen, da der Platz nicht weit hinter dem VOR liegt. Ich erkl\u00e4re dem Pr\u00fcfer, dass ich den Kurs \u00e4ndern werde, um zum VOR zu fliegen, da sich lt. Karte der Platz dahinter versteckt.\u00a0 Wieder der Spruch \u201eMachen Sie nur&#8230;\u201c. VOR erreicht und auf Plankurs wieder eingekurvt und jetzt hei\u00dft es schauen. Wo ist denn der Platz? Da ist er schon. Da f\u00e4llt mir pl\u00f6tzlich ein, dass ich mich doch vorher melden wollte, um zu pr\u00fcfen, ob jemand dort ist (Frequenz hatte ich vorher schon eingerastet). Nun gut, lieber sp\u00e4t als nie. Ich melde mich, aber es ist, wie erwartet, keiner da. Mein Pr\u00fcfer meint, dass ich den Platz \u00fcberfliegen soll bei st\u00e4ndiger H\u00f6rbereitschaft. Gut, wird erledigt. Danach auf neuen Kurs und ab nach Burg Feuerstein.<\/p>\n<p>Feuerstein sollte ich dann nach eigenem Ermessen anfliegen. Egal welche Hilfsmittel, ich darf sie verwenden. Na ja, die paar Minuten bis dorthin brauche ich eigentlich keine Hilfsmittel, den Platz sieht man ja schon fast mit blo\u00dfem Auge. Ich melde dem Pr\u00fcfer stolz, dass ich den Platz sehe. Sein Kommentar \u201eSehr gut. Ach nebenbei gefragt, wie hoch ist die Mindesth\u00f6he \u00fcber bewohntem Gebiet?\u201c \u00c4chz, waren es 1000ft? Ja es waren 1000! Zum Gl\u00fcck hatten wir am Boden dar\u00fcber schon diskutiert.<\/p>\n<p>Pr\u00fcfer meint, ich soll nach eigenem Ermessen in die Platzrunde einfliegen und dann landen. Er will mal sehen, wie ich das so mache. Also gut, der Platz ist recht nah. Ich melde mich gleich am Funk nach dem gelernten Prozedere, \u00fcberfliege den Platz und fliege etwas weiter im Sinkflug nach Norden, um die Platzrundenh\u00f6he zu erreichen. Selbstverst\u00e4ndlich erkl\u00e4re ich dem Pr\u00fcfer, was ich vorhabe, damit er Bescheid wei\u00df. \u00a0Dann noch eine Umkehrkurve und rein in die Platzrunde. Zum Gl\u00fcck vergesse ich nicht, mich zu melden. Vor Aufregung melde ich etwas mehr als geplant, obwohl es keiner verlangt (Gegenanflug, rechter Queranflug, Endteil). Dem Pr\u00fcfer gef\u00e4llt es: Lieber zu viel als zu wenig melden. Platzrunde sch\u00f6n einhalten, ab ins Endteil (wir wackeln extrem durch die Winde). Nicht sch\u00f6n, aber selten. Kurz vor dem Aufsetzen br\u00fcllt es von rechts: \u201eDurchstarten!\u201c Oh, shit. Wie war nochmal die Reihenfolge? Gas, Vorw\u00e4rmung, Klappen oder war es doch anders? Egal, keine Zeit. Ich mache es so, wie ich denke, dass es richtig ist. \u201eWieso zweifle ich gerade jetzt an so etwas? Ich hatte das doch so oft ge\u00fcbt!\u201c, geht mir durch den Kopf.\u00a0 Irgendwie hat es der Pr\u00fcfer nat\u00fcrlich gemerkt und fragt mich noch schnell, wie denn die Reihenfolge beim Durchstarten ist. Die Aufregung macht mir doch mehr zu schaffen, als ich vermutet h\u00e4tte. Die Reihenfolge war dennoch richtig. Bei diesem Teil der Pr\u00fcfung wollte der Pr\u00fcfer sehen, wie gut ich mich an die Platzrunde lt. Anflugblatt halte und nat\u00fcrlich wie ich denn so durchstarte.<\/p>\n<p>\u201eSo, jetzt halten wir mal diesen Kurs und gehen auf 3300 Fuss\u201c, meint mein Pr\u00fcfer. Mitten im Steigflug will er den Flieger \u00fcbernehmen und kurvt ein wenig herum. Im Kurvenflug soll ich sie wieder \u00fcbernehmen, halten und gleichzeitig nach links unten Ausschau halten, ob mir etwas auff\u00e4llt. Ausser, dass wir recht niedrig sind und bei weitem die Mindesth\u00f6he nicht einhalten, f\u00e4llt mir zun\u00e4chst nichts auf. \u201eNa, dann schauen sie mal weiter\u201c, meint er weiter und siehe da: \u201eEine recht kurze Grasbahn direkt unter uns.\u201c meine ich. \u201eSehr sch\u00f6n\u201c, meint der Pr\u00fcfer und zieht den Gashebel auf Leerlauf. \u201eWir machen hier eine Notlandung ohne Motor\u201c. \u00c4chz, das ist sehr niedrig. Also, los geht\u00b4s. Ich w\u00fcrde ich den Anflug schaffen, jedoch mit weit \u00fcber 25kt R\u00fcckenwind. Mein Pr\u00fcfer meint \u201ean sich gut, aber wir landen niemals mit R\u00fcckenwind, schon gar nicht auf so einer kurzen Bahn\u201c. Pr\u00fcfer \u00fcbernimmt die Maschine und schafft es mit wagemutigen Flugman\u00f6vern (ca. 60 Grad Neigung bei 50kt, kaum 200ft GND) und einem Slip am richtigen Ende der Bahn und gegen den Wind die Maschine aufzusetzen. Nach ca. 100-150 Metern steht die Maschine. Ich bin \u00fcberw\u00e4ltigt von den Flugk\u00fcnsten meines Pr\u00fcfers und kann nicht anders, als ihm ein Kompliment f\u00fcr die Aktion auszusprechen. \u201eDanke, machen sie das aber niemals selbst, dazu braucht man viel Erfahrung, vor allem mit defekter \u00dcberziehwarnung.\u201c meint der Pr\u00fcfer. Ich frage ihn, wie viele Flugstunden er denn h\u00e4tte. 6000! \u00c4chz, ok. Ich verstehe.<\/p>\n<p>\u201eSo, wir stellen die Maschine nun ab und machen eine kurze Pause. Nebenbei schaue ich mir den Motorflieger an, der hier auf dem Segelfluggel\u00e4nde steht.\u201c Oh, \u00c4rger steht ins Haus. Ich hatte ja schon die Bef\u00fcrchtung, dass er mir jetzt mit sanften Worten erz\u00e4hlen will, dass ich die Pr\u00fcfung nicht bestanden habe, weil ich die Notlandung mit dem Wind gemacht h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Mein Pr\u00fcfer verwickelt den Flieger in ein kurzes, unscheinbares Gespr\u00e4ch bevor er ihm er\u00f6ffnet, dass er ein Mitarbeiter des Luftamtes ist. Dem Piloten klappt die Kinnlade herunter und er wird auf einmal bla\u00df. Ok, ich verdr\u00fccke mich und steige in den Flieger ein, es ist bitterkalt und windig hier oben.<\/p>\n<p>Nach 10-15 Min. kommt mein Pr\u00fcfer zur\u00fcck \u201eSo, weiter geht\u2019s im Programm. Wie starten sie denn hier?\u201c Kurzstart, kein Problem. 10 Grad Klappen, Vollgas mit Bremsen und los geht\u2019s. Wir sind schnell oben, trotz feuchter Grasbahn und ich vergesse die Klappen einzufahren. Na super, das h\u00e4tte ja jetzt nicht sein m\u00fcssen. Mein Pr\u00fcfer nimmt es mir aber zum Gl\u00fcck nicht \u00fcbel.<\/p>\n<p>Jetzt kommt der Teil mit der Brille, ich soll nach Instrumenten die klassischen \u00dcbungen fliegen. Perfekterweise passt die gro\u00dfe Brille nicht unter mein Headset. Also dann eben Kopfh\u00f6rer an nur einem Ohr mit extremer L\u00e4rm vom Motor am anderen Ohr und blind die \u00dcbungen machen. 180 Grad links, 180 Grad rechts und sch\u00f6n H\u00f6he halten. Klappt ja super. Dann nochmal 90 Grad links und rechts und zum Abschlu\u00df Kurs und H\u00f6he einige Minuten mit Brille halten. \u201eDas war ja super\u201c, meint der Pr\u00fcfer. Ich wusste aus meinen Lehrstunden, dass das eine meiner St\u00e4rken ist. Einer meiner Fluglehrer meinte in der Ausbildung \u201eDeine Vollkreise klappen ja mit Brille besser als ohne.\u201c Hmm, vielleicht weil ich vom Ausblick nicht abgelenkt werde \ud83d\ude09<\/p>\n<p>Also weiter im Programm. Wir sind s\u00fcdlich von Bamberg irgendwo in der N\u00e4he von Hirschaid. Ich soll nun zeigen, wie weit ich das GPS kenne. \u201eFliegen Sie doch mal ein Bearing von 350 zu ETEJ an\u201c, meint der Pr\u00fcfer. Ok, ETEJ ins GPS hacken und los geht\u2019s. \u201eSobald das Bearing erreicht ist, halten Sie das Bearing von 350 einige Minuten. Grenzwerte sind +-2 Grad\u201c ist die n\u00e4chste Aufgabe. Das ist ja recht locker und sobald ich die Windkomponente etwas ins Gef\u00fchl gebracht habe, bleibt der Bearing Indikator auf 350-351 stehen.\u00a0 \u201eSehr gut, jetzt \u00fcberfliegen wir Bamberg Richtung Norden und dort machen wir weiter\u201c erkl\u00e4rt der Pr\u00fcfer. Ich melde mich selbstverst\u00e4ndlich in Bamberg, dass wir den Platz \u00fcberfliegen werden. Man will ja den (nicht vorhandenen) Platzrundenverkehr auf sich aufmerksam machen. Dem Pr\u00fcfer gef\u00e4llt\u00b4s, er sitzt entspannt neben mir und macht sich seine Notizen im Pr\u00fcfbericht.<\/p>\n<p>N\u00f6rdlich von Bamberg geht\u2019s nun mit den Steilkurven weiter. Der b\u00f6ige Wind ist bei 35kt alles andere als hilfreich, aber was soll\u00b4s. Ich werde mein Bestes geben. Zun\u00e4chst Vollkreis links bei 45 Grad und rechts auch noch mal das Selbe. Die Maschine sch\u00fcttelt und will die 45 Grad gar nicht halten. Ich wackele durch die B\u00f6en zwischen 30 und 60 Grad hin und her. Pr\u00fcfer meint lachend: \u201eGar nicht so einfach bei dem Wind, oder?\u201c Ich verfluche das Wetter innerlich und mir rutschen manche Kraftausdr\u00fccke in Verbindung mit dem Wind heraus. Obwohl ich vermute, dass der Pr\u00fcfer entweder mit der Aktion unzufrieden ist oder das nochmal wiederholt haben m\u00f6chte, meint er, dass es recht gut war in Anbetracht des Wetters. Puuh. Nun noch drei Standardkurven je 90 Grad verbunden mit der Frage des Pr\u00fcfers, was der Kompass denn so bei Ost-West Kursen macht bzw. worauf man da achten sollte. Auuu weh, erwischt. Mir f\u00e4llt nur der Kompassdrehfehler ein, aber nat\u00fcrlich nicht wie gro\u00df er ist. Pr\u00fcfer sagt jedoch, dass er das nicht meint. Das gibt\u2019s doch nicht, mir f\u00e4llt es nicht ein. \u201eHaben sie schon mal etwas von einem Beschleunigungsfehler geh\u00f6rt?\u201c, fragt er zynisch. Ja nat\u00fcrlich, da war was in der grauen Theorie vor einem halben Jahr. Mein Pr\u00fcfer ist wirklich zuvorkommend und erkl\u00e4rt mir dieses Thema an Bord mit einigen kleinen Zeichnungen, w\u00e4hrend ich Kurs und H\u00f6he halten soll und dennoch seinen Ausf\u00fchrungen folgen muss. \u201eSo, nun erkl\u00e4ren Sie mir doch den Beschleunigungsfehler nochmal und danach f\u00fchren Sie ihn mir vor!\u201c<\/p>\n<p>Ich habe gut zugeh\u00f6rt und kann es rekapitulieren. Die Vorf\u00fchrung ist einfach: Auf Westkurs ab in den etwas steileren Sinkflug, um zu beschleunigen, und dann hoch, um langsamer zu werden. Der Kompass macht wirklich das, was wir so besprochen hatten. Die Wunder des Magnetismus J<\/p>\n<p>\u201eNun, das hat ja bisher alles gut geklappt. Wir fliegen zur\u00fcck nach Bamberg und machen eine Ziellande\u00fcbung, eine Landung ohne Klappen und eine Kurzlandung\u201c, erkl\u00e4rt der Pr\u00fcfer. Jetzt bin ich total verunsichert, was ist eine Kurzlandung? Ich \u00fcberlege mir, ob ich mir die Bl\u00f6\u00dfe gebe und es dem Pr\u00fcfer sage, dass ich keine Ahnung habe, was das ist. Lieber die Bl\u00f6\u00dfe als dann die Landung nicht zu wissen. Ich frage Ihn \u201eEntschuldigen Sie, das ist vielleicht eine doofe Frage, f\u00fcr die Sie mich durchfallen lassen k\u00f6nnten, aber was ist eine Kurzlandung?\u201c<\/p>\n<p>Pr\u00fcfer fragt mich, ob ich das nicht mit meinen Lehrern gemacht h\u00e4tte. Ich verneine und meine, dass sie vielleicht im Eifer des Gefechts diese eine \u00dcbung \u00fcbersehen haben. \u201eDas macht nichts, dann werde ich ja sehen, wie Sie auf eine neue Situation reagieren\u201c, meint er trocken. Er erkl\u00e4rt mir, dass eine Kurzlandung mit Mindestgeschwindigkeit und vollen Klappen geflogen wird und dass man sich mit Schleppgas zur Schwelle hangelt, um dann maximal in 200 Metern zum Stehen zu kommen. Ok, das ist eine Herausforderung, aber sollte zu machen sein, denke ich mir insgeheim. Verr\u00fcckterweise erinnere ich mich an einige Videos im Internet zum \u201eAlaska Mayday Fly In\u201c, in der ausschlie\u00dflich solche Starts und Landungen gemacht wurden (STOL).<\/p>\n<p><strong>Ziellandung: <\/strong>So oft, wie ich das ge\u00fcbt habe, sollte es ja klappen, wenn ich vor Aufregung nicht etwas falsch mache. Aber nein, alle Sorgen sind umsonst. Pr\u00fcfer meint noch im Queranflug, ob wir denn nicht zu niedrig w\u00e4ren. Ich antworte selbstbewusst: \u201eDas passt schon, so kommen wir gut runter.\u201c<br \/>\n\u201eNa dann machen sie mal, vielleicht habe ich nur wegen der Autobahn etwas Zweifel\u201c, erkl\u00e4rt er mir noch zus\u00e4tzlich.<\/p>\n<p>Ich vermute, ich hatte noch etwas Hilfe von ganz oben, denn es war die beste Ziellandung, die ich jemals geschafft habe. Aufsetzen auf der Schwelle! Mein Tag ist gerettet, ich bin absolut euphorisch. Der Pr\u00fcfer meint noch, dass man ja so eine genaue Ziellandung auch nicht alle Tage sieht, vor allem nicht von einem Flugsch\u00fcler. Ich glaube, meine Brust schwoll aufs zweifache an vor Stolz.<\/p>\n<p><strong>Landung ohne Klappen:<\/strong> Nun auf zur Platzrunde und zur Landung ohne Klappen. Konzentration, dass die Platzrunde wirklich vorbildlich geflogen wird. Ich erz\u00e4hle dem Pr\u00fcfer noch eine Geschichte \u00fcber die Amerikaner, denen der Flugplatz geh\u00f6rt, \u00fcber den Shelter und die Gundelsheimer, die uns Flieger immer etwas \u00e4rgern wegen des L\u00e4rmschutzes. Trotz der lockeren Unterhaltung unterbreche ich den Pr\u00fcfer f\u00fcr meine Funkmeldungen, was er &#8211; ich glaube positiv &#8211; in seinem Bericht notiert. Landung ohne Klappen ist problemlos und nun auf zur schwierigsten, da unge\u00fcbten Landung.<\/p>\n<p><strong>Kurzlandung:<\/strong> Noch eine Platzrunde bis zum Endteil und Gas raus. Flieger halten, bis wir ca. 60 Knoten haben und Schleppgas dazu, um die Geschwindigkeit zu halten. Pr\u00fcfer m\u00f6chte, dass ich sp\u00e4testens vor der einen Pf\u00fctze, die er neben der Landebahn sieht, zum Stehen komme. \u201eUnd damit es auch eine Herausforderung wird, m\u00f6chte ich dort ohne Bremsen stehenbleiben\u201c setzt er noch einen drauf. Oh weh, wieso nun das? Das ist doch schon mit Bremsen ungewohnt genug f\u00fcr mich. Na ja, des Pr\u00fcfers Wunsch ist mir ja Befehl.<\/p>\n<p>Wir fliegen weiter mit knapp \u00fcber 60 Knoten und Schleppgas, \u00fcberqueren die B\u00e4ume an der Autobahn in Landerichtung 22 niedriger als sonst. Ich halte die Maschine mit Schleppgas bis zur Piste und nehme das Gas weg. Ich ziehe und ziehe und komme irgendwann hinter der Schwelle auf. War das die \u00dcberziehwarnung ganz leise im Hintergrund? \u201eNicht bremsen\u201c, meint der Pr\u00fcfer,\u00a0 \u201edas schaffen wir.\u201c Und wirklich: Vor der Pf\u00fctze kommen wir zum Stehen. Ich kann es selbst kaum glauben.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Teil 3:\u00a0\u00a0 Wieder am Boden<\/strong><\/p>\n<p>\u201eSo, jetzt rollen wir noch zur\u00fcck und dann machen wir Besprechung\u201c, t\u00f6nt es von rechts. Ich rolle, erz\u00e4hle Adolf, der im Turm steht, wie der Z\u00e4hlerstand ist und rolle weiter bis zur Tankstelle. Ich stelle den Flieger ab und mache die Maschine aus. \u201eSo so, Herr Seucan macht seine Maschine ohne Checkliste aus? Haben wir das so gelernt?\u201c. Ohh, nein! Wieso hab ich mein Kniebrett mit der Checkliste vor den Landungen nach hinten geworfen? Der Pr\u00fcfer nimmt es mir nicht ganz so \u00fcbel, ermahnt mich aber dennoch. Ist ja auch seine Pflicht.<\/p>\n<p>\u00a0\u201eSo Herr Seucan, das h\u00e4tten wir ja nun geschafft. Das hat mir sehr gut gefallen. Ein sehr angenehmer Flug. Herzlichen Gl\u00fcckwunsch Capit\u00e4n, zu Ihrer bestandenen Pr\u00fcfung\u201c.<\/p>\n<p>Nun, es ist geschafft. So schlagartig ist man Pilot. Zwar ein Anf\u00e4nger, aber alle trauen es mir zu, dass ich mich alleine in die L\u00fcfte erheben darf.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend ich den Flieger mit Ludwig tanke, bespricht sich der Pr\u00fcfer mit Adolf. Vor lauter Anspannung rutscht mir die Tankpistole aus der Hand und ich vergie\u00dfe einen Liter Sprit \u00fcber dem Fl\u00fcgel. Super Abschluss.<\/p>\n<p>Dies war die kleine Geschichte der Abschlu\u00dfpr\u00fcfung von Wilhelm Seucan. Vielen Dank an dieser Stelle an meine Ausbilder vom Aeroclub Bamberg, vor allem Thomas Siewert, der den Gro\u00dfteil meiner Ausbildung durchgef\u00fchrt hat. Es waren sicherlich schwere und nervige aber auch sehr sch\u00f6ne Stunden dabei.<\/p>\n<p>An dieser Stelle auch meinen gro\u00dfen Dank an meine Frau Monika, ohne deren Unterst\u00fctzung ich die Ausbildung zum Flieger bestimmt nicht geschafft h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Ich hoffe, dass meine kurze Geschichte einerseits zu eurer Erheiterung beitr\u00e4gt und angehenden Flugsch\u00fclern eine Inspiration und Einsicht in die Welt der fliegerischen Ausbildung gibt.<span id=\"_marker\">\u00a0<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Praktische Pr\u00fcfung PPL-A nach JAR-FCL am 11.11.10 Ein kleiner Pr\u00fcfungsbericht mit Ratschl\u00e4gen f\u00fcr die Nachwelt \u00a0 Teil 1:\u00a0\u00a0 Flugplanung und Pr\u00fcfung am Boden Eine der wichtigsten Vorbereitungen, um die Pr\u00fcfung erfolgreich abzulegen, ist die Flugplanung mit Kraftstoff- und Masse-\/Schwerpunktberechnung. 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